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Kontaktbörse für Flüchtlinge und Unternehmer

Sebastian Schröder/Zukunftsoffensive ÜberwaldKontaktböse für Flüchtlinge im evangelischen Gemeindehaus Wald-MichelbachKontaktböse für Flüchtlinge im evangelischen Gemeindehaus Wald-Michelbach

Mit einer Kontaktbörse für Flüchtlinge und Unternehmen hat im Gemeindehaus in Wald-Michelbach ein Modellprojekt seinen Anfang genommen, im Rahmen dessen sich verschieden Institutionen für die Integration von Flüchtlingen einsetzen. Gelingen soll dies über die Vergabe von Hospitations- und Praktikumsplätzen sowie Beschäftigungsverhältnissen in Unternehmen.

Die hessischen Unternehmerverbände wollen Flüchtlinge ausbilden und Asylbewerber und Flüchtlinge in die Arbeitswelt integrieren. „Für Arbeitsmarkt und Gesellschaft ist die Integration so vieler Menschen aus fremden Kulturen, fast durchweg ohne Deutschkenntnisse und mehrheitlich ohne Berufsqualifikation eine riesige Aufgabe. Es kann eine große Chance werden, wenn wir vieles sehr viel besser machen als in der Vergangenheit“, sagt Volker Fasbender von der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände. Im Dekanat Bergstraße wird dieser Weg bereits beschritten.

Rund 75 Teilnehmer folgten der Einladung der Zukunftsoffensive Überwald (ZKÜ) zu einer Kontaktbörse zwischen Unternehmen und Geflüchteten. ZKÜ übernimmt für die Gemeinden der Region Überwald die Tourismus- und Wirtschaftsförderung und hat sich in Abtsteinach, Grasellenbach und Wald-Michelbach nun auch dem Thema Flüchtlingshilfe zuwendet.

Kirche, Initiativen und Gemeinden arbeiten Hand in Hand

„Es geht um die Integration der geflüchteten Menschen in unsere Region und darum, diesen Menschen eine Perspektive zu verschaffen. Was liegt näher, als hierfür auch Kontakte zur Wirtschaft herzustellen“, so Geschäftsführer Sebastian Schröder. Diese Idee wurde durch Sabine Allmenröder vom evangelischen Dekanat Bergstraße unterstützt und fand im Gemeindehaus in Wald-Michelbach statt. Hier trafen sich Unternehmer, Flüchtlinge und ehrenamtliche Helfer aufeinander.

Besonderheiten für Flüchtlinge bei der Job-Suche

Monika Seibt von der Agentur für Arbeit und die Ausländerbeauftragte des Kreis Bergstraße, Brigitte Paddenberg, erläuterten, was Unternehmen beachten müssen, wenn sie Flüchtlingen Praktika, eine Ausbildung oder einen Job anbieten wollen. Zum Beispiel gelte für Flüchtlinge, wenn sie einen Asylantrag gestellt haben, die ersten drei Monate Arbeitsverbot. Solange das Verfahren noch nicht abgeschlossen sei, gebe es noch verschiedene Verfahren, wie die sogenannte Vorrangprüfung. Das bedeute, dass die Agentur für Arbeit der Ausländerbehörde melden muss, ob für den Job kein geeigneter Kandidat aus Deutschland oder der EU zur Verfügung stehe. Prozesse, die vereinfacht werden müssten, sagten Unternehmer und Flüchtlingshelfer während der Kontaktbörse.

Flüchtlinge fordern Deutschunterricht ohne Altersbegrenzung

Aber auch von den Flüchtlingen wurden Aspekte genannt, die die Integration erschweren. Warum bei geförderten Sprachkursen eine Altersbegrenzung von 25 Jahren gelte, war in diesem Zusammenhang ein Frage. „Sprachkenntnisse sind doch die entscheidende Schlüsselqualifikation, um Zugang in die Arbeitswelt zu finden“, merkte ein Flüchtling an. Die Kontaktbörse wurde von den Geflüchteten gut angenommen. Kritisiert wurde jedoch, dass auch geflohene Frauen arbeiten wollen und bei solch einer Veranstaltung auch auf ihre Bedürfnisse eingegangen werden sollten.

Hessische Wirtschaft fordert Planungssicherheit

Die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände betonte, dass die Wirtschaft Planungssicherheit brauche. Daher fordert Volker Fasbender „einen Perspektivwechsel: Weg von blauäugiger Willkommensromantik oder plumper ‚Das Boot ist voll‘-Rhetorik hin zu konsequenter Lösungsorientierung und moralischer De-Eskalation. Entscheidend ist, dass wir die Kontrolle über den Prozess zurückgewinnen.“ Für Geflüchtete müsse daher der Aufenthalt über die Dauer der Ausbildung und auch noch zwei Jahre danach gesichert sein.

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