Nächstenliebe und Solidarität zeigen sich im Handeln: Menschen die Hand reichen, Brot geben, Zuflucht bieten, aus Lebensgefahr retten, vor Verfolgern verstecken. Viele Engagierte, darunter zahlreiche Christinnen und Christen, helfen weltweit Schutzsuchenden und leben den Glauben, der auffordert, die Schwachen zu schützen. Als 2015, vor zehn Jahren sehr viele Geflüchtete nach Deutschland kamen, wurde dieses Engagement besonders sichtbar. Ab 2022 zeigte sich diese gelebte Nächstenliebe erneut, als nach Russlands Überfall auf die Ukraine mehr als eine Million Menschen in Deutschland Schutz und Aufnahme fanden.
Asylpolitisch ist seit 2015 viel geschehen. In Reaktion auf ankommende Flüchtlinge und Migrant*innen haben viele europäische Staaten ihre Asylgesetze verschärft, Grenzzäune hochgezogen, das Recht auf Familienzusammenführung ausgesetzt. Mitten in Europa werden mittlerweile unschuldige Menschen gewaltsam an Grenzen abgewehrt oder hinter Stacheldraht interniert und entrechtet. Die Europäische Union als Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts steht zunehmend auf dem Spiel.
Deutlich geworden ist in den letzten Jahren auch: Vielerorts sind die kommunalen Möglichkeiten – oder die Bereitschaft – zur Flüchtlingsaufnahme an Grenzen gekommen. Die Hürden für die Arbeitsmarktintegration sind weiterhin zu hoch. Und furchtbare Anschläge, auch verübt von Menschen mit Fluchthintergrund, haben Menschenleben gekostet und das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung tief erschüttert.
Viele Menschen fragen sich, welche Auswirkungen Migration und Integration auf unsere Gesellschaft und unser Miteinander haben. Oder sorgen sich, wie sich die aktuellen Entwicklungen auf die Menschenrechte in Europa auswirken. Die Diskussion über das Thema polarisiert. Manche Menschen sind zuversichtlich und sehen in Flüchtlingen nach wie vor Menschen. Andere sehen in Migranten eine Bedrohung oder befürchten eine gesellschaftliche Überforderung. Und immer mehr Menschen in unserem Land verstehen, dass es angesichts des demographisch bedingten Arbeitskräftemangels dringend mehr Zuwanderung braucht. Die Aufgaben sind zweifellos groß, die Mittel und Möglichkeiten begrenzt.
Folgende Überzeugungen, die sich aus dem christlichen Glauben ergeben, wollen in dieser Situation Orientierung geben.
Zehn Überzeugungen zu Flucht und Integration aus evangelischer Sicht (Neuauflage 2025)
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