Charlotte traf Adeel zum ersten Mal im Haus ihrer Familie während einer Weihnachtsfeier im Dezember 2015. Die ersten Monate 2016 lernten sie sich besser kennen und kamen schließlich zusammen. „In den ersten Augenblicken war die Frage für Charlotte: „Kann diese Beziehung funktionieren? Aber schon nach kurzer Zeit stellte sich die Frage anders: Warum sollten wir nicht zusammenleben können? Liebe überschreitet nationale und religiöse Grenzen, wenn Menschen sich tief und offen sehen und fair und gleich behandeln“, sagt sie.
Während die beiden Familien die Beziehung von Charlotte und Adeel begrüßten, hatten die beiden Partner Schwierigkeiten in ihrem weiteren sozialen Umfeld. Adeels Mitbewohner in der Flüchtlingsunterkunft glaubten, dass seine interreligiöse Ehe nicht funktionieren kann und manche Menschen aus seiner Gemeinde haben diese Beziehung von Beginn an kritisch beäugt. Selbst als er mit seinen ehemaligen Mitbewohnern in der Unterkunft die Ankunft seines ersten Kindes, Jonas, feiern wollte, verspotteten sie ihn und sagten: „Warum feierst du, wenn du ein ungläubiges Kind hast?“.Charlotte kommentiert: „Das war für uns beide sehr schmerzhaft. Es tat uns weh, einige unserer Freundschaften zu verlieren, selbst einige meiner Freunde begrüßten die Idee nicht.“
Unterschiede der Kulturen bereichern das tägliche Leben
Der Unterschied der Kulturen bereichert das tägliche Leben zwischen den beiden Partnern. Charlotte hat viele Gerichte aus der pakistanischen Küche kennengelernt. Sie lernte auch viel über islamische Feiertage und pakistanisches Leben und Ansichten, sowie über den Nationalsport Cricket. Adeel liebt mittlerweile diverse deutsche Gerichte (auch Spargel) und hat sich daran gewöhnt, dass in seiner deutschen Familie viel (auch kontrovers) diskutiert wird. Er bringt sich ein, kauft auch immer wieder bio- und fairgehandelte Produkte und beteiligt sich seit er zur Familie gehört immer am Schmücken des Weihnachtsbaums. Auch die Sprache hat sich verändert. „Wir haben zuerst Englisch gesprochen, dann lernte ich Deutsch und wir hatten lustige Momente, als wir in Missverständnisse über die Sprache gerieten“, sagt Adeel.
Alle Religionen glauben an Gott
Adeel besucht regelmäßig Gottesdienste seiner Frau und Charlotte hört ihm zu, während er Suren aus dem Koran, das heilige Buch der Muslime, rezitiert. Die beiden Partner glauben nicht, dass der Unterschied der Religion ein Hindernis für den Erfolg einer Beziehung ist. „Alle Religionen glauben an Gott, und jeder von ihnen verehrt ihn auf seine eigene Weise. Im Gegenteil, wir haben viel diskutiert und festgestellt, dass der Unterschied der Religion unser Kind toleranter und offener machen wird, dass es die gute Seite beider Religionen vertreten wird“, sagt Adeel.
Was sind schwierige Herausforderungen?
Bis vor kurzem musste Adeel auf die Entscheidung seines Asylantrags warten. Was Charlotte als eine der schwierigsten Herausforderungen in ihrer Beziehung betrachtet. „Wir hatten immer das Gefühl, dass wir unter Druck stehen und warteten auf die Gerichtsverhandlung. Das Warten hat sich auf die Beziehung ausgewirkt und trotzdem wollten wir beide, dass Adeel aus eigenen Stücken heraus und nicht aufgrund einer Hochzeit Asyl erhält. Wir wollten keine Abhängigkeiten schaffen, sondern eine gleichberechtigte Beziehung entwickeln“, sagt Charlotte
Nur mit der Liebe können die Menschen leben
Adeel, der Soziale Arbeit studiert, hält Jonas in seinen Händen, während Charlotte weiterspricht. „Wir haben Jonas, das Schönste, was aus unserer Beziehung entstehen konnte. Wir träumen davon, dass unser Kind in einem sozialen Umfeld voller Liebe und Toleranz lebt“. Adeel unterbricht das Gespräch und bestätigt, dass nur mit der Liebe Menschen leben können.