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blickwechsel - lǝsɥɔǝʍʞɔılq

Einen besonderen Blick auf Flucht und Migration bieten die hier vorgestellten Texte. Sie wirken durch ihre sprachliche Dichte und ihre ganz eigene Perspektive. Sie erzählen von Schmerz und Angst, von Hoffnung und Verzweiflung, von Vorurteilen und Unterstützung, von den Hürden des Alltags und der Sehnsucht nach Frieden.

Kurzgeschichten zwischen Syrien und Deutschland

In 14 Kurzgeschichten verarbeitet der syrische Journalist und Autor Wael Deeb auf poetische und eindrückliche Weise seine Erlebnisse in Syrien und Deutschland. Mit seinen Geschichten zeichnet er Bilder in den Kopf, schreibt zwischen zwei Sprachen, nimmt Worte und Begriffe unter die Lupe, um die richtigen zu finden, wägt und schmeckt sie gegeneinander ab, und entscheidet sich am Ende auch mal gegen alle Grammatik.

Das mit intensiven Bildern der syrischen Künstler Khaled Hussein und Ghazwan Assaf ansprechend gestaltete Buch wird ergänzt durch Absätze in arabischen Schriftzeichen.

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Amal, Frankfurt!

Amal, Frankfurt! informiert Montag bis Freitag auf Arabisch, Ukrainisch und Dari/Farsi darüber, was in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet los ist. Das Wichtigste vom Tage wird ergänzt durch Reportagen, Interviews und Kommentare. Journalisten und Journalistinnen aus Syrien, Afghanistan und der Ukraine betreiben diese mobile Nachrichtenplattform als eine lokale Tageszeitung für das Smartphone!Amal wird betrieben von der Amal News gGmbH

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Amal Berlin & Hamburg

Amal ist eine Internetplattform mit lokalen Nachrichten auf Arabisch, Ukrainisch und Farsi/Dari. Gegründet wurde das Projekt 2016 in Berlin. Dort arbeiten inzwischen 14 Exil-Journalist:innen auf jeweils einer festen halben Stelle und berichten über alles, was in Berlin wichtig ist: Politik, Kultur und was man sonst noch wissen muss, um mitzureden und sich zu Hause zu fühlen. 2019 entstand in Hamburg die zweite Amal-Redaktion. Aus der Hansestadt berichten fünf Exil-Journalist:innen. 2023 folgte eine weitere Redaktion in Frankfurt am Main.

Amal Berlin

Amal Hamburg


Einbahnstraße

Von Wael Deeb

Ein Teil des Gesichts ist entfremdet... Guten Morgen, mein Kind, das auf meinem Kissen schläft. Ich überprüfe meine Träume und einen Brief, den ich gestern von einem Amt erhalten hatte. Beim Lesen schlief ich ein. Ich schaue ich aus dem Fenster Richtung Bahnhof. In alle Richtungen gehen Rufe an Reisende. Ich erinnere mich an den Norden. Und frage den Spiegel, wer gibt mir seine Zöpfe, damit ich meine Erinnerungen begraben kann.

Der Norden ist unser Ziel... Draußen waren wir Gefangene... Der Wind heult, durchdrungen vom Klang der Schüsse... Wir fliehen von Gasse zu Gasse... Die Flugzeuge bombardieren uns... Wir singen... Wir wollen nur leben, wie die Menschen im Norden leben... Wir tanzen, ergeben uns der Musik, dem Rhythmus der modernen französischen Revolution... Der Geruch des Todes in der Luft bricht uns, also schreiben wir unser letztes Testament, der Norden ist unser Ziel.

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Über die Kälte und ihre Spiegelung

Von Wael Deeb

Über Kälte und Integration

Städte mit allem, was darin ist, ertrinken im Staub. Warum bist du die Felsen zu dem Himmel geklettert, mein Kind! und hast mein Herz alleine gelassen? Die Mutter schreit verwirrt, als sie im Dunkel ihres Haares nach den Fingern ihres Kindes sucht. Da ist ein kleines Mädchen, das unter den Trümmern aufsteht und dann weint und sagt, dass ihr Vater die Felsen des Hauses unten umarmt und in einen tiefen Schlaf fällt. Ein Vater taucht aus dem Staub auf und hat keine Zeit, seine sieben Kinder unter den Trümmern zu begraben. Ein Schulheft unter den Trümmern verbirgt die Träume eines Mädchens unter sieben Jahren.

Es ist das Erdbeben, das meine tiefe Wurzel dort trifft. Ich berühre mein Gesicht, dann ordne ich meine Organe neu an. Also lege ich mein kleines Herz auf den Marmor des Fensters und ich sage, ich wünschte, ich wäre ein Stein, der sich nach nichts sehnt und mich nicht verletzt. Nehme ich meine Lungen von mir, denn ich bin die Gefangene hier im Freien, dann bereite ich mich darauf vor, die Stimme meiner Mutter zu hören, die dort festsitzt.

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Wenn dein Gesicht zu deinem Gast wird

Von Wael Deeb

Es ist sieben Uhr abends nach Mitte des Meeres....ein Schlauchboot voller Träume und ein ferner Strand, der alles verspricht. Wer hat uns diesen Traum von einer anderen schönen Heimat erleuchtet, die sich dort im kalten Norden versteckt? Ich sitze auf meinen Knien. Die Seeluft sticht mich. Ich murmele alle Beschwörungen, um die Angst aus mir zu vertreiben ... Aber immer wenn die Meereswelle steigt, treffe ich die Wahrheit und frage mich, wie ich mein Haus allein gelassen habe? Wie schneide ich meine Nabelschnur wieder durch?

Die Küstenwache fängt uns ab, ich wache auf aus meinem Staunen, aus Seekrankheit, aus dem, was mein Land mir und uns angetan hat. Der Offizier der Küstenwache sagt: „Ich wünschte, ich könnte euch passieren lassen, aber das demokratische System befiehlt mir, dorthin zurückzukehren, wo ihr hergekommen seid ... In meinem Land ist kein Platz für euch ... Das demokratische System hat legitime Lösungen für euch gefunden, wie Asylantrag in einem neutralen Land oder einem Land in der Nähe eines Stacheldrahtzauns zu stellen“.

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Text als Audio, gelesen von Thomas Hof
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Interner Dialog

… über Gemeinschaftsbeteiligung, Demokratie und der Schlamm der Flüchtlingslager

Von Wael Deeb

Nach einem harten Arbeitstag kam ich nach Mitternacht nach Hause zurück. Die Straßen waren komplett dunkel und fast leer, bis auf einige Gesichter der Kandidaten, die aus den Wahlfahnen hervorschauten und den Beginn des Wahlkampfs für den Deutschen Bundestag ankündigten.

Keines von ihnen hat mich jemals aufgehalten, denn ich bin der Fremde hier, der in gleichem Abstand von allen steht, ich liebe Grün, Rot und Schwarz und hasse Blau von Natur aus. Ich steige auf Zehenspitzen die Treppe zu meinem Haus hinauf, damit mein Nachbar nicht aufwacht und ruhe meine Ohren von seinen Sätzen aus, die sich immer über die kulturellen Unterschiede zwischen Ankommenden und Bürger*innen und die Umgangsformen von Gästen und Besucher*innen beschweren.

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Eine Welt mit Millionen Mauern

Von Wael Deeb

... über Freiheit und Angst vor Freiheit

Die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge für mich eingerichtete Anhörung zur Erörterung meiner Asylberechtigung in Deutschland ist beendet. Die letzte Frage, die mir während der Anhörung gestellt wurde, war, warum ich in Deutschland Asyl beantrage und kein anderes Land gewählt habe. Damals antwortete ich schnell, natürlich Deutschland, das ist die Heimat in der ich frei leben kann. Heute, nach Jahren meiner klaren Antwort, überprüfe ich meine Antwort erneut und frage mich, inwieweit ich hier Freiheit fühle. Tun wir das wirklich? Die Freiheit genießen, die uns als Flüchtlinge gegeben wird?

Es scheint mir, dass das Stellen der Frage ein Irrtum ist. Wie kann man eine Freiheit genießen, zu der man nichts beigetragen hat? Inwieweit passt die Freiheit, die andere mir geben, zu meiner Freiheit?

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Wie sieht es aus – zwei Welten unter einem Dach?

Von Wael Deeb

Es ist 18 Uhr am Abend, die Zeit für Sonnenuntergangsgebete für Adeel, einen muslimischen Mann, der im Sommer 2015 aus Pakistan nach Deutschland floh. Im Zimmer sitzt seine Frau Charlotte, die bald als evangelische Pfarrerin arbeitet und kuschelt mit ihrem erstes Kind Jonas. Jonas Augen blicken auf den Gebetsteppich während seine Ohren ein Kirchenlied hören, das seine Mutter mit warmer Stimme singt. Die Frage stellt sich, wie sieht es aus zwei Welten unter einem Dach?

Liebe überschreitet nationale und religiöse Grenzen!

Charlotte traf Adeel zum ersten Mal im Haus ihrer Familie während einer Weihnachtsfeier im Dezember 2015. Die ersten Monate 2016 lernten sie sich besser kennen und kamen schließlich zusammen. „In den ersten Augenblicken war die Frage für Charlotte: „Kann diese Beziehung funktionieren? Aber schon nach kurzer Zeit stellte sich die Frage anders: Warum sollten wir nicht zusammenleben können? Liebe überschreitet nationale und religiöse Grenzen, wenn Menschen sich tief und offen sehen und fair und gleich behandeln“, sagt sie.

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Herzen zwischen zwei Welten ...

Von Wael Deeb

Als die arabischen Medien über die massive Explosion in Beirut berichteten, war ich auf einem kurzen Spaziergang durch die schöne und ruhige Landschaft rund um Frankfurt, der Finanzhauptstadt Deutschlands. Seit Monaten bemühe ich mich, das enorme Gewicht wieder zu verlieren, das ich in letzter Zeit durch stundenlanges Sitzen vor dem Computerbildschirm erlangt habe, nachdem sich alles auf dieser Welt in eine virtuelle Realität verwandelt hat, verursacht durch das Corona-Virus.

Um fair zu sein, Fettleibigkeit und das Halten von Haustieren sind für mich oft erste Merkmale der Stabilität von Geflüchteten. Es startet mit Erstaunen und Fremdheit und geht über zur Akzeptanz der Realität und dem Beginnen des Integrationsprozesses.

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Jeder Mensch ist ein Mensch

Amelie.

Ein Kind.

Acht Jahre alt.

Während des shut down in der Corona-Pandemie im Sommer 2020.

Beschäftigt sich, während die Mutter im Home-Office arbeitet und Weltgeschehen kommentiert.

Mit alten Zeitungen, Papierstückchen werden lebendig, Menschen, Flüchtlinge.

Es entsteht ein Camp, ein Lager, ein Hot Spot: Moria vielleicht, das dann später im Jahr brennt?

Welche Auswege gibt es?

„Wie kommen wir weiter?“

Mit dem Boot?

Über das Meer?

„Werden wir ankommen?“

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Migration und Wahlrecht

Wie wählen Menschen mit Migrationshintergrund? Wie würden sie sich beteiligen, wenn sie wählen dürften? Zwei Frauen erzählen von ihren Möglichkeiten sich politisch einzubringen.

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Politische Beteiligung

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Was bedeutet Integration?

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Buchmesse für Arabische Bücher

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THE ABAYA WALK

Zum Projekt

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nid – ein literarisches Demokratieprojekt

„Neu in Deutschland“ (nid) ist eine deutschsprachige Zeitung über Flucht und Ankommen mit Texten geflüchteter Frauen und Männer. Zugleich ist es eine Plattform für vielfältige persönliche Begegnungen: durch kreative öffentliche Aktionen, Lesungen, Interviews und andere Dialog-Formate.

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