Auch wenn die Flüchtlingspolitik zunehmend von Abschottung, Begrenzung und Entmenschlichung geprägt ist, machte Torsten Jäger, Geschäftsführer des Initiativausschusses für Migrationspolitik in Rheinland-Pfalz, zum Ende der Veranstaltung Mut, die Hoffnung nicht aufzugeben:
„Hoffen“, so sagt es der Theologe Fulbert Steffensky, „heißt handeln, als wäre Rettung möglich. Und weiter: „Es ist aber nicht ausgemacht, dass unsere Mühe zur Rettung führt.“
„Ich glaube, dass heute deutlich geworden ist: Wir stehen an einer Stelle, die gut zu diesem Zitat passt: An einer Stelle, an der es –
- angesichts der breiten Akzeptanz oder mindestens Hinnahme von Menschenrechtsverletzungen an den EU-Außengrenzen,
- angesichts der zunehmenden Entrechtung von Schutzsuchenden in der Europäischen Union,
- angesichts der atemberaubend schnellen „Entdemokratisierung“ von Demokratien wie z.B. der USA und Ungarn,
- angesichts einer neuen Bundesregierung und einem Koalitionsvertrag, in dem Flüchtlingsabwehr zum Programm geworden ist, dem sich alles und alle unterzuordnen haben und
- angesichts des bundesweiten Erstarkens von rechtsextremen und menschenfeindlichen Parteien und Bewegungen innerhalb und außerhalb der Parlamente –
- längst nicht mehr ausgemacht ist, dass Rettung möglich ist.
Umso wichtiger also, Indizien dafür zu suchen, dass Rettung zwar nicht ausgemacht, aber immerhin doch möglich ist. Und dass soll am Schluss dieser Tagung erstmal meine, dann aber vielleicht auch unser aller Aufgabe sein. Ich werde jetzt also – nicht nur, aber auch unter dem Eindruck des heute innerhalb und außerhalb der Tagung Gesagten - versuchen, sehr persönlich die Frage zu beantworten, warum Rettung denn doch immerhin noch möglich sein könnte und warum deshalb trotz allem noch Hoffnung ist.
Anschließend laden wir Euch dann dazu ein, dasselbe zu tun. Ihr könnt dazu einfach aufstehen und auf das Mikrophon warten. Wichtig ist nur, dass ihr keine „Wenns“ und keine „Abers“ dreht, sondern sehr kurz und sehr knapp sagt, worin denn Eure Hoffnung gründet.
Ich fange also mal an: Es ist trotz allem noch Hoffnung …
- … weil seit 2013 ca. 4,5 Millionen Schutzsuchende nach Deutschland gekommen sind, sehr viele von ihnen Schutz gefunden haben, sich unsere Gesellschaft dadurch zum Positiven verändert hat und wir vieles davon möglich gemacht haben;
- …weil dem aus dem Ruder gelaufenen Diskurs und den rechtlichen Restriktionen vor Ort oft eine gelebte und gelingende Realität des Zusammenlebens gegenübersteht;
- … weil in Deutschland etwa 1 Mio. Menschen leben, deren Asylantrag abgelehnt wurde und von denen 80 Prozent inzwischen eine Aufenthaltserlaubnis, eine Niederlassungserlaubnis oder gar die deutsche Staatsangehörigkeit haben;
- … weil es 2025 kaum möglich ist, eine*n Mitschüler*in der eine*n Mannschaftskolleg*in abzuschieben, ohne dass sich eine Gemeinschaft für den Betroffenen stark macht und mit ihm solidarisiert;
- weil Kirchenasyle immer noch zu Erfolg führen und Kirchengemeinden dadurch gestärkt werden;
- … weil wir (immer noch) so vieles tun und auf so vieles vertrauen können, um das „Unheil“ abzuwenden: wir können wählen, uns versammeln, wir können Bündnisse schließen, wir können postulieren, protestieren und lobbyieren, wir können unterstützen, stärken, begleiten, eintreten und solidarisch sein und wir können vor unabhängigen Gerichten klagen;
- … weil wir „auf der richtigen Seite der Geschichte“ stehen und die besseren Argumente auf unserer Seite haben
- … weil so viele aus ganz unterschiedlichen Gründen- Menschenrechte, Klima, soziale Gerechtigkeit – am Zustand der Welt vielleicht noch nicht verzweifeln, aber doch sorgenvoll in die Zukunft schauen und weil diese Menschen entweder noch nicht zusammengefunden haben oder noch sprachlos sind … und weil wir das ändern können;
- … und zuletzt: weil es uns gibt, weil wir immer noch viele sind, weil diese Tagung stattgefunden hat und weil noch viele weitere stattfinden werden.“