Pichl zeigte auf, wie unter verschärften politischen Rahmenbedingungen der Druck auf die Soziale Arbeit wächst. Während politische Linien diskutiert werden, stehen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter längst im Zentrum der realen Konflikte.
Sie erleben, wie staatliche Entscheidungen in Lebensläufe einschneiden: bei Geflüchteten, bei Armen, bei Jugendlichen ohne Perspektive. Der Politikwissenschaftler beschrieb drei Aufgaben, die in den kommenden Jahren entscheidend werden könnten:
1. Orte echter Demokratie schaffen
In Anlehnung an historische Vorbilder wie das „Hull House“ in Chicago sollen Räume entstehen, in denen Demokratie praktisch gelebt wird – in Nachbarschaften, Gemeinschaftsprojekten, Beratungsstellen.
2. Ressourcen sichern und politisch einfordern
Angesichts wachsender sozialer Ungleichheit brauche es offensivere Forderungen nach Umverteilung und stabiler Finanzierung sozialer Dienste. „400 Milliarden Euro werden jährlich vererbt – die Hälfte an die reichsten zehn Prozent.“
3. Kritisches Monitoring
Soziale Arbeit verfüge über einzigartiges Wissen aus der täglichen Fallarbeit. Dieses Wissen müsse systematisch dokumentiert und politisch genutzt werden – etwa in Gerichtsverfahren. Ein Beispiel dafür ist ein wegweisendes Urteil des Bundesverfassungsgerichts 2022 zu Kürzungen in Geflüchtetenunterkünften, das wesentlich durch Sozialarbeit initiiert wurde.
Pichl betonte, dass Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter durch ihre Arbeit unmittelbar zur Verteidigung demokratischer Werte beitragen können.